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Österreich - physisch

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Diercke Karte Österreich - physisch

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Österreich - physisch

Österreich – physisch
Die physische Karte lässt die Gliederung Österreichs in fünf gegensätzliche Naturräume erkennen, die sich in die Nachbarstaaten fortsetzen. Sie zeigt auch anhand des Siedlungsnetzes die Grundstrukturen der Besiedlung, wie zum Beispiel die dicht besiedelten Zentralräume und die oftmals dünn besiedelten Gebirgslandschaften.  

Überblick über die Großlandschaften
Viele Besucher/innen Österreichs sind immer wieder von der großen Vielfältigkeit der österreichischen Naturlandschaften überrascht. Man findet auf dem relativ kleinen Staatsgebiet fünf zum Teil sehr unterschiedliche morphologische Großlandschaften.

  • Das Granit- und Gneishochland nördlich der Donau
  • Das Alpen- und Karpatenvorland
  • Das Wiener Becken
  • Das Vorland im Osten und Südosten
  • Die Ostalpen, die fast zwei Drittel der Fläche Österreichs einnehmen

Dieses Zusammentreffen von Großlandschaften bringt es mit sich, dass auch kleinräumige administrative Einheiten Landschaftsgrenzen überschreiten. Länder, Politische Bezirke, ja sogar einzelne Gemeinden haben oftmals Anteil an mehreren Großlandschaften. Als Beispiel sei der Bezirk Melk angeführt, der sich vom Granit- und Gneishochland über das Alpenvorland bis zu den Voralpen erstreckt. Diese starke Differenzierung in kleinräumige Naturlandschaften hat natürlich entscheidende Auswirkungen auf die Potenziale der Land- und Forstwirtschaft sowie auf das Siedlungsmuster und die Anlage von Verkehrswegen.

Das Granit- und Gneishochland
Das Granit- und Gneishochland ist der Anteil Österreichs an der Böhmischen Masse und somit ein Teil des europäischen Mittelgebirgssystems. Das variskische Gebirge, das sich in Richtung NW-SO vom Plöckenstein bis zur Donau im Bereich der Wachau erstreckt, wurde im Laufe der Erdgeschichte abgetragen und zu einem Schollenland umgestaltet. Die Landschaft ist geprägt von sanft geschwungenen Hochflächen, Rücken und Kuppen, die durch teils breite Muldentäler gegliedert werden. Das Mühlviertel im Westen besteht aus Granit, während im Waldviertel östlich der Linie Ysper – Zwettl – Kautzen der Gneis das bestimmende Gestein ist. Die größten Höhen liegen im Westen in der Aufwölbungszone, die sich vom Plöckenstein (1378 m) über den Viehberg zum Weinsberger Wald erstreckt. Über weite Strecken verläuft auf dieser Aufwölbungszone die europäische Hauptwasserscheide zwischen Donau und Moldau – Elbe. Der niedrigste Übergang im Bereich des Kerschbaumer Sattels ist ein alter, prähistorischer Verkehrsweg, der später von der Pferdeeisenbahn Linz – Budweis genutzt wurde.
Durch den oben beschriebenen Verlauf der Aufwölbungszone dacht das Mühlviertel von Norden nach Süden ab und fällt mit einer rund 400 m hohen markanten Stufe zum Alpenvorland ab. Die der Abdachung folgenden Flüsse münden mit engen Durchbruchstälern zur Donau, während sie im Oberlauf in breiten Muldentälern verlaufen. Das Waldviertel dacht, da die größten Höhen im Westen und teils im Süden liegen, langsam nach Osten ab. Daher verlaufen die Flüsse, wie der Kamp, von Westen nach Osten und biegen erst am Rande des Massivs nach Süden zur Donau um. Im Osten markiert der Höhenzug des Manhartsberges eine deutliche Grenze zum Karpatenvorland. Im Süden hat die Donau Teile des Hochlandes abgetrennt. Diese Durchbruchstäler, wie etwa die Wachau, bilden interessante Stromabschnitte. Heute haben Teile des Donautales eine hohe Attraktivität für den Tourismus. So verzeichnet der Radweg entlang der Donau eine sehr hohe Frequenz.
Die Natur bietet dem wirtschaftenden Menschen im Granit- und Gneishochland nur geringe Möglichkeiten. Die Landwirtschaft ist wenig ertragreich, eine Alternative bildet die Milchviehhaltung, da ausreichend Grünland vorhanden ist. Die steileren Hänge und die Kuppen sind von ausgedehnten Nadelwäldern bedeckt.

Alpen- und Karpatenvorland
In Österreich nimmt das Alpenvorland den Raum zwischen den Alpen und dem Südrand des Granit- und Gneishochlandes ein. Nach Westen setzt es sich in der bayerisch-schwäbischen Hochebene fort, während es im Osten in das Karpatenvorland im Bereich des westlichen Weinviertels übergeht. Die Grenzen bilden hier der nach Norden umbiegende Rand der Böhmischen Masse und die Klippenzone im Osten, die mir zahlreichen Erhebungen die Verbindung zu den Weißen Karpaten herstellt.
Im Ganzen handelt es sich um ein Hügel- und Terrassenland, in das gebietsweise breite Flussniederungen eingelagert sind. Der Entstehung nach ist es ein großer Sammeltrog, der mit dem Abtragungsschutt der jungen, in die Höhe steigenden und später vergletscherten Alpen aufgefüllt wurde. Es finden sich aber auch marine und limnische Sedimente aus der aus dem jungen Tertiär stammenden Wasserbedeckung. Die Verbreitung der in Form von Schottern, Sanden, Tonen oder Mergel auftretenden tertiären und quartären Schichten bildet die Grundlage der naturräumlichen Gliederung.
Die tertiären Ablagerungen werden als Molasse bezeichnet – es sind dies leicht zerreibbare, mürbe Gesteine. In der Nähe des Alpenrandes erreicht die Molasse eine Mächtigkeit von 4000 m. Einen großen Teil der Molasse bildet der Schlier, eine blaugraue tonreiche oder feinsandige Seichtwasserbildung, die zu Rutschungen neigt, aber fruchtbare Böden liefert. Nach dem Rückzug des Meeres im Pliozän schoben sich aus den Alpen mächtige Schotterkegel gegen Norden vor, da die Heraushebung des Gebirges den aus den Alpen kommenden Flüssen eine starke Transportkraft verlieh.
Weit verbreitet ist der Schlier zwischen Inn, Ager und der Traun, im Innviertel, wo er ein von zahlreichen Tälchen durchzogenes Hügelland aufbaut. Südlich davon erstrecken sich der Hausruck und der Kobernaußer Wald, die aus einer harten pliozänen Schotterplatte aufgebaut sind und mit rund 800 m Höhe die höchste Erhebung im Alpenvorland darstellen.
Die prägende Ausgestaltung erfuhren weite Teile des Alpenvorlandes im Eiszeitalter. An Salzach und Traun sind die Gletscher weit ins Alpenvorland vorgestoßen und haben eine reich gegliederte Endmoränenlandschaft hinterlassen. In den älteren Eiszeiten sind auch an Krems und Steyr die Gletscher bis ins Alpenvorland vorgestoßen. Im Flachgau liegen hinter den Endmoränenlandschaften zahlreiche Becken, die heute von Seen erfüllt sind.
Ein wesentlich größeres Gebiet bedecken die von den Schmelzwässern aufgeschütteten glazialen Schotter. Hier haben sich die typischen eiszeitlichen Flussterrassen ausgebildet, wobei die Deckenschotter und die Hochterrassen von Löss und Lösslehm überzogen sind, während die würmeiszeitliche Niederterrasse von trockenen Schottermassen eingenommen wird. Die Traun-Enns-Platte innerhalb des Städtevierecks Linz – Wels – Steyr – Enns ist die größte zusammenhängende Schotterlandschaft, die das Quartär in Österreich hinterlassen hat. Östlich der Enns begleiten die fluvioglazialen Aufschüttungen nur mehr streifenförmig die Flüsse, das Tertiärhügelland kommt dazwischen überall an die Oberfläche, am ausgedehntesten im Strengberger Hügelland. Östlich der Traisen ist die den Eiszeiten zugeordnete Terrassenabfolge nicht mehr voll ausgebildet.
Noch größer ist der Flächenanteil des Tertiärs im Karpatenvorland. Neben Sanden und Tonen gehören quarzitreiche Schotter dazu. Sie tragen plateauartige Verebnungen und sind Reste des pliozänen Hollabrunner Schotterkegels. Die eiszeitlichen Ablagerungen vertritt in erster Linie der Löss, der die Hänge überzieht und mit seiner gelben Farbe das Landschaftsbild prägt.
Das Alpen- und Karpatenvorland ist heute neben dem Wiener Becken der Hauptlebens- und Wirtschaftsraum Österreichs. Die Landwirtschaft findet aufgrund der Braun- und Schwarzerdeböden sehr gute Produktionsbedingungen vor. Im westlichen und südlichen Bereich, der sich durch höhere Niederschläge auszeichnet, herrscht Grünlandwirtschaft als Basis für eine hoch stehende Viehzucht vor. Die trockenen Regionen des Karpatenvorlandes gehören hingegen zu den fruchtbarsten Ackerbauregionen Österreichs.

Wiener Becken
Das inneralpine Becken wird durch die Donau in zwei Teile zerlegt – einen nördlichen zwischen der Klippenzone und den Kleinen Karpaten mit dem östlichen Weinviertel und dem Marchfeld und einen südlichen zwischen dem Wiener Wald, Semmering und dem Rosalien- und Leithagebirge. Es ist ein Einbruchs- und Senkungsfeld, das allseitig durch Bruchlinien begrenzt wird. Diese sind vor allem im Westen dicht gebündelt und haben dort eine Reihe von Bädern, Säuerlingen und warmen Quellen entstehen lassen – hier hat sich der Begriff Thermenlinie eingebürgert. An der Ostseite verläuft ebenfalls eine Bruchlinie – von Mannersdorf bis Deutsch Altenburg an der Donau. Bruchstrukturen zerlegen das Innere des Beckens in Horste und Gräben. Sie sind jedoch unter einem mächtigen Sedimentpaket aus tertiären und quartären Ablagerungen im Untergrund begraben.
Die das eigentliche Wiener Becken umfassende Absenkung begann im Miozän und führte zum Eindringen des Meeres, in dem der blaugraue Mergel, Tegel genannt, abgelagert wurde. In den ufernahen Randzonen bildete sich der aus Steinalgen zusammengesetzte Leithakalk, der vom Leithagebirge, das nur eine Höhe von 484 m erreicht, seinen Namen erhalten hat. Dieser Kalk spielte als Baumaterial bei der Errichtung zahlreicher Bauten in Wien eine bedeutende Rolle.
Am Rande des Wiener Waldes verläuft vom Nussberg bis weit nach Süden in einer Höhe von 300–350 m eine Brandungsplattform. Daraus kann man erschließen, dass das Leithagebirge inselförmig über die Wasseroberfläche aufragte. Nach einer Regressionsphase kam es im Pannonium zur Ausbildung eines Süßwassersees, in dem bis zu 1500 m mächtige Tegel abgelagert wurden. Noch im Pliozän verlandete das Wiener Becken und im Quartär legten sich ausgedehnte Schotterdecken über den tertiären Untergrund. Im Süden schütteten die Schwarza und Piesting einen großen wasserarmen, unfruchtbaren Schotterkegel auf, der langsam nach Norden auskeilt. Hier liegen die wasserstauenden Tegel wieder an der Oberfläche, was sich in der landschaftlichen Gliederung deutlich auswirkt. Auf die Trockene Ebene mit dem Steinfeld im Süden folgt die von einem dichten Gewässernetz durchzogene Feuchte Ebene.
Eiszeitliche Schotter begleiten die Donau in ihrem Lauf zwischen der Wiener und der Hainburger Pforte. Im Norden des Flusses, im Marchfeld, bauen die Schotter eine breite Ebene auf, während sie im Süden ein Hügelland mit einer hohen Terrassenkante bilden, die unmittelbar an die breite Strommauer herantritt. Wien selbst liegt auf einer eiszeitlichen Terrassentreppe, die von der Donau zum Wiener Wald ansteigt.

Randgebiete der Pannonischen Tiefebene
Im Osten und Südosten reichen die Kleine und die Große Ungarische Tiefebene mit drei Buchten in das Staatsgebiet von Österreich.
Im Norden begrenzt von Leitha- und Rosaliengebirge liegt die Neusiedler Bucht, die durch drei Pfortenlandschaften mit dem Wiener Becken verbunden ist. Im Zentrum der Bucht liegt der Neusiedler See, ein von Natur aus abflussloser Steppensee. Im Westen des Sees liegt das Ruster Hügelland, aufgebaut aus denselben Tegeln, die sich im Wiener Becken finden. Der Großteil des Raumes wird aber von Schotterplatten eingenommen, die im Quartär entstanden sind. Dazu gehören die Parndorfer Platte und der Heideboden, die mit einer deutlichen Stufe zum Neusiedler See abfallen. Auch der Seewinkel mit seinen zahlreichen kleinen salzhaltigen Lacken besteht aus jungen Schotterplatten.
Die vom Ödenburger und Günser Gebirge eingeschlossene Bucht von Oberpullendorf – das Mittelburgenland – ist ein im Tertiär angelegtes Senkungsfeld. Mit seinem bewegten, hügeligen Relief erinnert es nicht an die weiten Ebenen der Ungarischen Tiefebene.
Im Südosten dehnen sich die Grazer Bucht und das südburgenländische Hügelland aus. Der aus den Alpen kommende kristalline Untergrund ist durch Mulden und Schwellen gegliedert, die an einigen Stellen an die Oberfläche treten (Sausal, Windischer Bühel).
Die über dem Grundgebirge liegende Sedimentdecke erreicht eine Mächtigkeit von 2000 bis 3000 m. Sie besteht aus Flussschottern, Sanden sowie aus Leithakalk und Schlier, die im Miozän entstanden sind. In der Nähe des Gebirgsrandes sind Braunkohleflöze eingelagert. Nach Trockenlegung im Pliozän schoben sich riesige Schwemmfächer vom Norden und Nordosten aus in das Becken.
Eine Besonderheit des Steirischen Hügellandes ist der rege Vulkanismus, der im östlichen Bereich im Tertiär einsetzte und in zwei Phasen Vulkanbauten von beträchtlichem Ausmaß geschaffen hat, die aber größtenteils unter der mächtigen Sedimentdecke liegen. Nur im Gleichenberger und Stradner Kogel ragen die Spitzen von Vulkanen über die Oberfläche auf. Typisch sind auch die zahlreichen Staukuppen aus Tuff, die sich auf 30 bis 40 Förderstellen verteilen. Beispiele dafür sind die Riegersburg, Karpfenstein und der Burgberg von Güssing. Zahlreiche Säuerlinge und Thermalquellen, die in den letzten Jahren zunehmend für den Aufbau eines florierenden Gesundheitstourismus genutzt werden, sind Folgeerscheinungen dieses Vulkanismus.
Im Eiszeitalter haben sich die Flüsse aufgeschottert, reichen jedoch nicht an die Ausmaße im Alpenvorland heran. Die breiten Schotterfelder des Grazer und des Leibnitzer Feldes trennen das West- und das Oststeirische Hügelland. Wesentlich für die Formengebung des Quartärs war die Zerschneidung der tertiären Sedimente, die das Oststeirische Hügelland in NNW-SSO ziehende Riedel zerlegte. Seine auffallende Talasymetrie mit flachen Hängen gegen Südwesten ist das Ergebnis der eiszeitlichen Solifluktion.

Ostalpen
Österreichs Anteil an den Ostalpen erreicht mit rund 5300 km2 fast 63 Prozent des Staatsgebietes. Das Hochgebirge nimmt somit einen größeren Flächenanteil ein als in der benachbarten Schweiz. Daher spielen die ökonomischen und ökologischen Restriktionen des Hochgebirges für die österreichische Bevölkerung und Wirtschaft eine besondere Rolle.
Kennzeichnend für den alpinen Anteil Österreichs ist eine von West nach Ost zunehmende Veränderung im gesamten Erscheinungsbild des Gebirges. Östlich der Linie, die von Salzburg über das Quellgebiet der Enns, die Arlscharte und dem Plöckenpass in Richtung Udine verläuft, sinkt die Gipfelflur beträchtlich ab – zumindest in den Zentralalpen, die 70 km weiter im Westen mit dem Großglockner in 3797 m die höchste Erhebung Österreichs besitzen und in ihrem weiteren Verlauf gegen Osten an die Höhenlinie von 3000 m nicht mehr heranreichen. Auch in der horizontalen Gliederung kommt es zu einer Änderung: Die einzelnen Gebirgszüge treten weiter auseinander. Das erhöht die Durchgängigkeit in der West-Ost-Richtung und gibt der Ausbildung einer dritten Längstalflucht neben dem Enns- und dem Drautal, dem von Mur und Mürz entwässerten „Schrägen Durchgang“ Raum. Deutlich ausgeprägt sind die Grenzen der Alpen gegen ihre Vorländer. Die nördliche Grenze liegt dort, wo die Molasse den Flysch ablöst und in etwa 500 m ein markanter Geländeaufstieg einsetzt. Die südliche Grenze der Alpen verläuft in ihrer gesamten West-Ost-Erstreckung außerhalb Österreichs. Sie ist am Rande der oberitalienischen Tiefebene stärker ausgeprägt als im Norden. Im Osten ist der Grenzverlauf unregelmäßig. Das angrenzende Tiefland greift in der Grazer Bucht und im nördlichen Burgenland buchtenförmig nach Westen aus. Andererseits schieben die Alpen im Günser Bergland, im Ödenburger Gebirge und im Leithagebirge Sporne und Ausläufer gegen das Pannonische Becken vor.
Die Ostalpen weisen eine klare Gliederung in parallel angeordnete Gesteinszonen auf: die kristallinen Zentralalpen liegen zwischen den beiden großen Längstalzügen von Inn-, Salzach- und Ennstal im Norden und Drautal im Süden und die Nördlichen und Südlichen Kalkalpen jenseits davon. Dazu kommen noch die Grauwackenzone mit den Kitzbüheler- und Eisenerzer Alpen im Norden und den Karnischen Alpen im Süden sowie die Flyschzone am nördlichen Alpenrand.
Ein Blick auf die geologische Karte zeigt jedoch, dass die eben genannten Grenzen nur für eine grobe Orientierung genügen, aber auch, dass sich die Gesteinsverhältnisse oftmals auf kleinsten Raum ändern können. Sedimente sehr unterschiedlicher Herkunft stoßen ohne Übergänge aneinander, oder Älteres liegt über Jüngeren.
Solche Diskordanzen der Gesteinslagerung weisen auf den durch Überfaltungen und Überschiebungen entstandenen Deckenbau hin, der für die Tektogenese der Ostalpen bezeichnend ist. Nördlich einer bogenförmig verlaufenden Fuge im alpinen Bauplan, der Periadriatischen Naht, die von den Judicarien kommend über das Eisacktal nördlich von Brixen zum Rienz-, Drau- und Gailtal zieht, sind die Schubbewegungen gegen Norden, südlich davon gegen Süden gerichtet.
Die Deckenlehre unterscheidet drei große Deckensysteme:

  • Helvetische Decke – erscheint nur als schmaler Streifen am Nordrand des Gebirges und ist auch hier nicht geschlossen ausgebildet
  • Penninische Decken – treten nur in geologischen Fenstern zutage, dem Engadiner Fenster, dem Tauernfenster zwischen Brenner und Katschberg sowie dem Semmering Fenster am Ostrand
  • Ostalpine Decken – auf diese entfällt der Großteil des Gebirges

Durch die Ausbildung von Decken begann in der mittleren Kreide die Gebirgsbildung; sie setzte in der oberen Kreide, in der es wieder zur Abtragung und marinen Transgression kam, aus und lebte im Alttertiär erneut auf.
Die Zentralalpen bestehen zum größten Teil aus Kristallin, wobei Granite, Gneise, Phyllite und Schiefer überwiegen. Auch dunkle paläozoische Kalke sind daran beteiligt, wie etwa im Grazer Paläozoikum. Die harten granitischen Felsen verursachen schroffe Formen und enge Talkerben. In den mürben methamorphen Phylliten und Schiefern aber auch Gneisen hingegen haben Verwitterung und Abtragung lang gestreckte Rücken und stumpfe Kuppen geschaffen.
Im Bau der Alpen, in der Deckengliederung oder in den Lagerungsverhältnissen begründet ist auch das Auftreten des zentralalpinen Mesozoikums mit Schichten, die an die nördlichen Kalkalpen erinnern – nämlich in der Brenner Region, im Bereich des Tauernpasses südlich von Radstadt und am Semmering (Innsbrucker Kalkkögl, Radstädter Tauern).
Tonreiche Schiefer und Phyllite sind die Leitgesteine der Grauwackenzone. Vorherrschend sind sanfte, durch Rutschungen und Rückfallkuppen gegliederte Hänge, die dem Relief den Charakter einer Mittelgebirgslandschaft verleihen. Früher gab es in der Schieferzone viel Bergbau, heute dominiert die Almwirtschaft und – was noch wichtiger ist – der Schilauf, der hier optimale Voraussetzungen findet.
Die Nördlichen Kalkalpen, denen im Süden der Drauzug mit den Lienzer Dolomiten, den Gailtaler Alpen und den nördlichen Karawanken entspricht, werden von mesozoischen Sedimenten aufgebaut. Darunter nehmen die Gesteine der Trias den größten Teil des Schichtpaketes ein. Die wasserarmen, nur von einer dünnen Bodenschicht bedeckten Kalke mit weit herabziehenden Schutthalden am Fuß ihrer Wände schränken die Nutzungsmöglichkeiten auf jene Stellen ein, wo wasserundurchlässige Schichten Quellen austreten lassen und Verebnungen mit Almweiden bilden.
Die am Nordrand der Alpen verlaufende Flyschzone erreicht nur im Bregenzer- und Wienerwald eine größere Breite. Dazwischen bildet sie nur ein schmales Band vor der steil aufragenden Überschiebungsstirn der Kalkalpen. Es dominieren ton- und sandreiche Sedimente – daher neigen die Flyschgesteine zu Rutschungen und zur Ausbildung eines sanften Geländes.
Die Tektogenese der Kreide und des Tertiärs hat die innere Struktur des Gebirges geschaffen, nicht aber seine äußeren Formen. Das Nebeneinander von kühnen Gipfelpyramiden, plumpen Kuppen oder von steilen Wänden und weiten Almflächen ist das Ergebnis einer späteren Entwicklung, die mit abnehmender Prägkraft vom Alttertiär bis zur Gegenwart abgelaufen ist.
Die entscheidende Ausprägung erhielten die Alpen im Eiszeitalter, wo durch die Zuschärfung der Formen die Hochgebirgsformen geschaffen wurden. Im Westen, einschließlich des oberen Mur- und Ennsgebietes, schlossen sich die eiszeitlichen Gletscher zu einem großen Eisstromnetz zusammen, aus dem nur die höchsten Kämme und Gipfel herausragten. Das Eis erreichte stellenweise eine Mächtigkeit von 1500 m und stieß weit ins Alpenvorland vor. Gegen Osten sank infolge der geringeren Gipfelhöhen die Eisoberfläche stark ab. Das Eisstromnetz löste sich in einzelne Talgletscher auf, deren Nährgebiet nicht mehr ausreichte, um ins Vorland auszutreten. So endeten etwa der Murgletscher bei Judendburg und der Draugletscher bei Völkermarkt. Die Fernvergletscherung wurde somit im Osten durch eine Lokalvergletscherung abgelöst. Damit entwickelten sich im Steirischen Randgebirge nur mehr Kargletscher.
Im westlichen und mittleren Teil der Ostalpen steht die glaziale Überformung im Vordergrund – die Quertäler der Hohen Tauern sind ein klassisches Beispiel eiszeitlicher Trogtäler mit glazial verstärkten Stufen im Längsprofil und den Mündungsstrecken. Überall gliedern steinwandige Kare die Gipfelregionen. Zu den Spuren der Eiszeit gehören auch die unzähligen Karseen in den Alpen und die großen Zungenbecken der Vorlandgletscher sowie der Drau in Kärnten. Typisch für den kalkalpinen Bereich sind die weiten Karstlandschaften, die östlich des Steinernen Meeres anzutreffen sind und dem Tennengebirge, dem Dachstein, dem Toten Gebirge und der Rax charakteristische Züge verleihen. Bis zu 30 Prozent der Fläche sind hier unterirdisch entwässert, sodass am Rande ergiebige Karstquellen austreten. Die zahlreichen Höhlen, die zum Teil weit verzweigte Systeme bilden, gehören ebenfalls zum Erscheinungsbild der Kalkzone.

F. Forster

Stichworte: Physische Karte Österreich

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